Sommercamp für Jugendliche aus der Ukraine: Wo Hoffnung Wurzeln schlägt

nedjelja, 3. august 2025.

Ein rotarisches Sommercamp in Schlierbach schenkt ukrainischen Kindern zwei Wochen Kindheit. Getragen von über 15 Clubs und mehr als 80 rotarischen Helferinnen und Helfern. Sichtbar gewürdigt durch politische Anerkennung auf höchster Ebene.

Wenn fünfzig Kinder aus der Ukraine in der oberösterreichischen Sommerhitze basteln, wandern und jubeln, klingt das wie ein ganz normales Camp. Doch für viele ist es das erste Mal seit Jahren, dass sie wieder durchschlafen. Das erste Mal, dass der Krieg leise bleibt. Und das erste Mal, dass jemand für sie da ist, ohne etwas zu fordern.

Diese zwei Wochen in Schlierbach bedeuten mehr als Abwechslung. Sie sind eine Auszeit von Angst und Verlust. Für Elizaveta, zehn Jahre alt, wurde das Camp zu einem Ort der Ruhe. Ihre Mutter kam gleich zu Beginn des Krieges bei einem Bombenangriff ums Leben. Zu Hause ist nichts mehr, wie es war. Hier kann ich endlich wieder einmal ruhig schlafen, sagt sie.

Ein Projekt, das auffängt, wo Systeme versagen

Für kurze Zeit nur eines sein dürfen: Kinder.

Die Kinder kommen aus dem Osten der Ukraine. Viele sind Waisen oder Halbwaisen. Sie haben Sirenen und Bomben erlebt. Manche leben in Kellern. Manche leben mit Erinnerungen, die kein Kind tragen sollte. Und doch erfüllen sie Schlierbach mit Lachen. Weil sie hier für kurze Zeit nur eines sein dürfen: Kinder.

Ausgewählt wurden sie von Partnerclubs in der Ukraine. Begleitet wurden sie von Psychologinnen und Psychologen, Ärztinnen und Ärzten sowie erfahrenen Pädagoginnen und Pädagogen. Ihre Geschichten zeigen sich in leisen Momenten. Wenn ein Kind beim Lagerfeuer verstummt. Wenn ein Luftballon platzt und jemand zusammenzuckt. Oder wenn ein Bub plötzlich wieder stottert. Manche haben ganz aufgehört zu sprechen.

Man sieht es nicht auf den ersten Blick. Aber man spürt es. Und man spürt, was dieser Ort ihnen gegeben hat.

Rotarische Kraft in Aktion

Was hier entstanden ist, wäre ohne das Netzwerk aus Rotary und Rotaract nicht denkbar. Zwölf Rotary Clubs. Drei Rotaract Clubs. Acht Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Fünf ukrainische Betreuerinnen und Betreuer. Und über achtzig engagierte Menschen, die gekocht, organisiert, begleitet und einfach da waren.

Von Schärding bis Freistadt, von Mondsee bis Bad Ischl haben sich die Clubs eingebracht. Finanziert wird das Camp durch Spenden. Getragen von der rotarischen Familie. Mit Unterstützung des Landes Oberösterreich, das 15.000 Euro beisteuerte. Insgesamt wurden rund 70.000 Euro aufgebracht. Ehrenamtlich. Verlässlich. Mit Haltung.

Und es war nötig. Denn das Camp ist nicht nur Freude. Es braucht Organisation, Aufmerksamkeit und manchmal auch medizinische Hilfe. In diesem Jahr mussten mehrere Verletzungen versorgt werden, darunter zwei Knochenbrüche. Ein Mädchen wurde wegen eines Mittelhandbruchs behandelt, ein anderes wegen einer Schnittverletzung am Ellenbogen. Besonders herausfordernd war ein medizinischer Notfall mit Verdacht auf Aneurysma im Bauchraum. Auch eine Blinddarmentzündung wurde frühzeitig erkannt und operiert. Alle Fälle konnten durch schnelle Hilfe und gute Kooperation mit den örtlichen Ärztinnen und Ärzten gemeistert werden.

Unser Rotaract Team

Süßen Abschiedsgeschenk am letzten Abend

Viele helfende Hände

Sichtbarkeit, die berührt

Ein Zeichen besonderer Anerkennung war der gemeinsame Besuch von Landeshauptmann Thomas Stelzer und dem ukrainischen Botschafter Dr. Vasyl Khymynets. Sie kamen nicht für die Bühne. Sie kamen, um zuzuhören. Um mit den Kindern zu sprechen. Um den Helferinnen und Helfern zu danken.

Für uns war dieser Besuch ein starkes Zeichen, sagt Felix Spitzer vom Rotary Club Bad Ischl. Es zeigt, dass unser Engagement gesehen wird. Auch Franziska Huber von Rotaract ist überzeugt: Dieses Camp war nicht nur für die Kinder wertvoll. Es hat auch uns verändert.

Momente, die bleiben

Die Kinder waren wandern, rodeln, schwimmen. Sie haben gesungen, gebastelt, gelacht. Sie haben Musik mit künstlicher Intelligenz komponiert. Und ein Bub aus Sumy kaufte Kartoffeln und Hendlhaxerl. Nicht für sich. Sondern um für die anderen Kinder zu kochen. Weil es ihm ein Bedürfnis war.

Es sind diese Gesten, die bleiben. Eine Umarmung. Ein Blick. Ein stiller Dank. Am Samstag fahren die Kinder zurück. Zurück in den Krieg. Zurück in ein Leben, das wir uns nicht vorstellen können. Aber sie nehmen etwas mit. Und wir auch.

Was wirklich zählt

Das Camp in Schlierbach beendet keinen Krieg. Aber es verändert etwas. In fünfzig jungen Biografien. Und in den Herzen derer, die geholfen haben.

Ein besonderer Dank gilt den ukrainischen Rotarierinnen und Rotariern sowie den Begleitpersonen, die ihre jungen Landsleute mit großem Einfühlungsvermögen durch diese Tage geführt haben. Sie haben Vertrauen geschaffen, übersetzt, vermittelt, zugehört und dafür gesorgt, dass dieses Camp eine Brücke blieb und keine Blase.

Auch sie haben mitgetragen, was hier gelungen ist. Zwei Wochen voller Menschlichkeit, voller Wärme und voller Hoffnung.

Es ist ein Projekt, das bleibt. Still. Wirksam. Menschlich. Und zutiefst rotarisch.